Stuttgart

Gruppe

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stuttgart namen

Hans Schultheiss, Lecturer in Missiology.


Frank Paul, until recently, missionary to the Toba people in Argentina.


Jim Harries, Chairman of the Alliance for Vulnerable Mission.


Rudolph Rau, one time missionary to Zambia.


Sabine Musselwhite, one time missionary to Micronesia, and ‘translator’.


Margarete Schneckenburger, Missionary to Paraguay under the Guarani-Indians.


Martin Schneckenburger, Missionary to Paraguay under the Guarani-Indians.


Reiner Grossmann, Missions director.


Johannes Kunzi, Missionary to Paraguay under the Guarani-Indians.


Lili Penner, staff at the local theological college.

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Keynote Paper presented at Vulnerable Mission Conference, Stuttgart, Germany, 18th February 2009.

Die Indianer und “unsere” Geschichte

In Argentinien leben ca. 400.000 Angehörige 19 verschiedener indigener Völker. Sie sind eine sehr kleine, aber (wieder) wachsende Minderheit der Bevölkerung. Unser Mennoniten-Team hat vor allem mit den Toba, Pilagá, Wichí und den Mocoví zu tun, die als Sammler und Jägervölker in den ursprünglich tier- und früchtereichen Wäldern der Grenzgebiete zu Paraguay und Bolivien überleben konnten.

Eine lange und unheilvolle Geschichte belastet bis heute jede Beziehung zwischen den Vertretern der Urvölker Amerindias und den Nachfahren der Eroberer des Kontinents, die für eine europäische Krone und ihre christliche Kirche mordeten, plünderten und versklavten. Nicht von ungefähr nennen sich bis heute indianische Jesusfreunde nicht „cristianos“ (Christen) sondern „creyentes“ (Glaubende).

„Warum bist du hergekommen?“

Kamst du, um Ratschläge zu geben oder um Rat zu fragen?

Kamst du, um deine ganze Wahrheit – in allen ihren Aspekten – weiterzugeben, oder um sie hier mit uns neu zu entdecken?

Kamst du, um unser Leben zu bereichem, oder deines?

Kamst du als Stellvertreter der Mehrheit oder um in unseren kleinen Lebensraum einzutreten?

Kamst du, um Rezepte auszuteilen, oder um bereitwillig von uns zu empfangen?

Kamst du, um gentechnisch entwickeltes Saatgut auf ausländische Felder auszustreuen oder um die hiesigen Sprößlinge kennenzulernen?

Kamst du, um uns deine Religion beizubringen oder um zu entdecken, daß Gott schon längst hier ist, daß er unsere Sprache spricht, daß er sich mit uns auf den Boden setzt – ohne Kanzel, die sich über uns erhebt?

Kamst du im Namen derer, die uns beherrschen oder im Namen des Herrn der Verachteten?

Warum bist du eigentlich gekommen?

Die Fragen des Gedichtes von Menno Wiebe helfen uns, unsere Motive als Missionare zu klären. Weil wir persönlich Gottes liebevolle und zurechthelfende Zuwendung erfahren haben, wollen wir deswegen auch gerne anderen zum Vertrauen auf diesen Gott und zum Leben mit seiner Hilfe beitragen. Deshalb ist es so wesentlich, daß wir es nicht nur so meinen, sondern daß es auch so von anderen Menschen erlebt wird. Eine Fabel bringt das auf den Punkt: Ein Affe wird am Ufer eines Baches dabei entdeckt, einen Fisch am nahen Baum zu befestigen. Er wird gefragt, was er denn da tue. Seine Antwort: “Ich habe den Fisch vorm Ertrinken gerettet.“

Die missionarische Arbeit nordamerikanischer Mennoniten begann im nordargentinischen Chaco im Jahre 1943. In zehn Jahren entstanden drei evangelische Tobakirchen. Die Missionare wurden Pastoren dieser Gemeinden.

Die Anfänge vor 50 Jahren

Die Mennoniten aus Nordamerika kamen zu einer Zeit in den Chaco, als die Tobas dabei waren, als Volk unterzugehen. Nachdem sie sich 400 Jahre erfolgreich gegen die Eindringlinge zur Wehr gesetzt hatten, waren sie schlußendlich doch mit der Gewalt der Feuerwaffen besiegt worden. Ihre Ärzte kamen auch nicht gegen die neuen Krankheiten an. Es wird berichtet, daß das Weinen der Mütter über ihre verstorbenen Kinder Tag und Nacht hörbar war. In Resistencia war das Straßenbild von betrunkenen Indianern geprägt und allein in der argentinischen Provinz Formosa nahm die indianische Bevölkerung von 25.000 auf 6.000 ab.

Die mennonitischen Missionare kamen 1943 mit der üblichen Evangelisations – und Zivilisationsmentalität.Es wurde eine traditionelle Missionsstation gegründet, in der Hoffnung die Tobas zu bekehren. Man fing an, eine Schule, eine Krankenstation, Ackerbauprojekte, einen Lebensmittelladen und natürlich eine mennonitische Indianergemeinde aufzubauen – immer mit dem Missionar als Fachmann und Chef, Lehrer und Pastor vorneweg. Zehn Jahre später wurde den Missionaren deutlich, daß sie sich auf einem Holzweg befanden: Es schien unmöglich, aus den Toba echte Mennoniten zu machen – obwohl es immerhin schon drei Gemeinden gab. Die Verständigungsprobleme waren erheblich. Als weiße Missionare die „patrones“ der Tobas zu sein, stellte sich als kolonialistisch heraus. Und der Prozeß, aus halbnomadischen Jägern und Sammlern seßhafte Ackerbauern zu machen, erschien hofnungslos.

Vor allem aber begann man eine ungewöhnliche geistliche Bewegung ernst zu nehmen, die sich unter den Tobas in den 40er und 50er Jahren ausgebreitet hatte. Durch verschiedene Reiseevangelisten begannen Tobas, dem Evangelium Glauben zu schenken. Viele wurden von Süchten und Krankheiten geheilt und erlebten etwas von Gottes Menschenfreundlichkeit und seiner Würde vermittelnden Liebe. Innerhalb weniger Jahre wurden Tausende zu Nachfolgern Jesu, die sich in selbständigen christlichen Gemeinschaften organisierten. Diese ermöglichten den Toba ihre Lebensweise neu zu beleben, ihre Würde als Geschöpfe Gottes und einen eigenen Freiraum in der „weißen“ Zivilisation zu entfalten.

Die „Bekehrung“ der Missionare

Sowohl die wenig erfolgreichen Jahre der Mission als auch das schnelle Wachstum der sich selbst organisierenden, ohne finanzielle Unterstützung auskommenden indianischen Bewegung, brachten die Mennoniten-Missionare ins Fragen.

Sie begannen zu verstehen, daß Gottes Mission offensichtlich andere Wege geht als den, auf dem sie angefangen hatten.

Außerdem entdeckten sie, daß trotz materieller Vorteile „ihre“ Indianergemeinden nicht von frohem geistlichen Leben sprudelten; mehr noch: in ihrer Abwesenheit gestaltete man die Gottesdienste nicht nach üblichem Plan, sondern auf „indianisch“. Jetzt erkannten sie, daß alles Neue (z.B. ein Flugzeug) immer in eigenen bekannten Kategorien (z.B. großer Vogel) gedeutet werden mußte und daß es deshalb nur normal war, daß Indianer auf eine ihnen vertraute Weise ihre neue Gotteserfahrung authentisch zum Ausdruck bringen wollten.

Nach eingehender Bedenkzeit beschloß man 1954 drastische Änderungen: Alle Projekte wurden geschlossen, das Land und die Felder wurden den Toba-Familien geschenkt. Die drei Toba-Gotteshäuser und die Leitung der Gemeinden wurde den örtlichen Leitern anvertraut. Auf diese Weise wollten die Missionare zum Ausdruck bringen, dass sie dem Heiligen Geist und den Toba-Geschwistern wirklich vertrauten, auf seine/ihre Weise das lebensspendende Evangelium der Liebe Gottes ihrem eigenen Volk zu vermitteln. Gleichzeitig verpflichteten sie sich, die Toba-Geschwister nicht alleine zu lassen, sondern sie geschwisterlich zu begleiten – auch wenn der Weg der selbstverantworteten geistlichen Entwicklung schwierig werden sollte.

Die Missionare sagten damals: „Der Heilige Geist hat uns unsere Kirche weggenommen!“

Der neue Stil

So begann ein neuer Abschnitt in der Beziehung der mennonitischen Missionare zu den Toba-Indianern. Von nun an hatten die Mennoniten die Freiheit, im Chaco umherzureisen und alle anderen eigenständig entstandenen kleinen Indianerkirchen zu besuchen und auf Anfrage zu unterstützen. Und die Toba-Christen fühlten sich frei, Gott auf ihre Weise zu loben und ihre Gemeinden ihren kulturellen Gepflogenheiten gemäss zu organisieren. Auf diese Weise verwandelten sich die Mennoniten-Missionare zu repektvollen Freunden und Begleitern auf dem gemeinsamen Jesus-Weg.

Sie fingen an, die indianischen Gebets-, Heilungs-, Frömmigkeits- und Gottesdienstformen nicht mehr als zweifelhaft anzusehen, sondern sie zu fördern. Sie unterstützten da, wo sie gebeten wurden, ohne sich in interne finanzielle, personelle und organisatorische Angelegenheiten einzumischen.Zu ihren Aufgaben gehörten fortan, indianische Sprachen zu lernen, die Toba-Kirchen – auch an entlegenen Orten – zu besuchen, die Indianerchristen zu ermutigen und mit ihnen die Bibel zu lesen. Aus diesem Grunde begannen sie, das Neue Testament in mehrere Chaco-Sprachen zu übersetzen.

Geschwisterliche Mitarbeiter

Fortan wurden wir von den indianischen Geschwistern nicht mehr „misioneros“ sondern „geschwisterliche Mitarbeiter“ (obreros fraternales) genannt wird. Mit dieser Bezeichnung verbinden wir eine brüderlich-schwesterliche Beziehung zu den Toba, eine gemeinsame Bemühung, das Evangelium in ihrem Kontext zu verstehen, ihnen Dialogpartner und vor allem ihre Mitarbeiter und Mutmacher zu sein. Das ist wichtig in einem gesellschaftlichen Umfeld, das weder ihre Sprache noch ihre Lebensformen schätzt und für diese „rückständigen Menschen“ eigentlich nichts außer Gebrauchtkleidern und Almosen übrig hat. Auch unter Christen denkt man, daß die „wahre Bibel“ die spanische sei und deswegen das Studium einer indigenen Sprache eher Zeitverschwendung ist.

Wir als geschwisterliche Mitarbeiter nehmen Einladungen zu Gemeindebesuchen an und versuchen, auf ihren Wunsch einzugehen, eine Bibel in der eigenen Sprache zu kaufen oder z.B. gegen Honig oder Handarbeiten tauschen zu können, um diese dann auch besser verstehen zu lernen. Nicht weniger liegt uns am Herzen, sie tatkräftig in ihren Bemühungen um endlich gesicherte Lebensgrundlagen (Landrechte) und den Wunsch nach zweisprachiger Schulbildung zu unterstützen.

Seit vielen Jahren wird auch schon eine kleine 12-seitige vierteijährliche Zeitschrift herausgegeben, in der jede indianische Ortsgemeinde ihre Beiträge und wichtigen Daten veröffentlichen kann. Sie ist das einzige Mitteilungsorgan, in dem sie selbst allen indianischen Gemeinschaften unseres Teils des Chaco mitteilen können, was ihnen wichtig ist.

Wir sind davon überzeugt, daß Jesus Christus der Herr aller Gemeinden und Kirchen der Welt ist und daß der Heilige Geist verantwortlich dafür ist, die indigenen Völker durch indianische Menschen zu leiten und zu gestalten. So gesehen sind wir immer Gäste bei ihnen und sie sind stets frei, ihre eigene Ethik, Gemeindelehre und Theologlie zu definieren. Für ausgesprochen wichtig halten wir, respektvoll anzuerkennen, daß die den Jäger- und Sammlervölkern eigene Weltanschauung sehr lebendig ist. Deshalb wird jeder, der von außen kommt und sich als „Zulieferer von Hilfsgütern“ gebärdet, das vorhandene soziale und geistliche Gleichgewicht beeinträchtigen, ihre Eigeninitiative wesentlich blockieren sowie dauerhafte Abhängigkeiten schaffen. Deshalb sehen wir es als sinnvoller an, ihre eigenen Projekte ideell zu fördern, z.B. bei juristischen Problemen oder Finanzierungswünschen, und Brücken zu anderen geeigneten Organisationen zu schlagen.

Die Toba selbst bezeichnen die „geschwisterlichen Mitarbeiter“ folgendermaßen: „Sie bringen uns nur das Wort Gottes und verursachen nicht, daß wir uns streiten müssen.“

La Iglesia Evangelica Unida

Indianische Christen nennen bis heute die „weißen“ Kirchen statt „denominaciones“ (kirchl. Denominationen), „dominaciones“ (Beherrschungen)! Innerhalb weniger Jahre gelang es ab 1958 einigen Toba-Pastoren, einen eigenständigen Indianerkirchenbund zu gründen. Die geistlichen Hirten der Tobas wählten unter sich Kirchenleiter aus. Ihre große Aufgabe kostete viel Kraft und Gebet. Mehr als einer zweifelte am Erfolg. Aber mit Gottes Hilfe konnte im Jahre 1962 die “Iglesia Evangélica Unida” (Vereinigte Evangelische Kirche), bestehend aus 29 verschiedenen Ortsgemeinden, gegründet werden. Diese Erfahrung bestärkte das Vertrauen der Toba-Pastoren in sich selbst als würdige und fähige Personen, die wiederum der Führung des Heiligen Geistes vertrauten. Die Mennoniten konnten mithelfen, eine staatliche Anerkennung zu erlangen; diesmal waren sie nicht “patrones”, sondern Ermutiger, geistliche Berater und Bibellehrer. Sie halfen als “geschwisterliche Mitarbeiter” , die evangelische Bewegung unter den Tobas zu begleiten.

Dieser Weg hin zur offiziellen Anerkennung einer solchen eigenständigen und unabhängigen indigenen Kirche, der „Iglesia Evangelica Unida“, war nicht nur im Chaco etwas ganz Einmaliges. Indianische Christen im argentinischen Chaco sprechen von dieser Kirchengründung als ihrem „Exodus“ und nennen den Toba-Kirchengründer Aurelio Lopez ihren „Mose“.

Diese Kirche ist nun schon mehr als 45 Jahre alt. Sie gehört zu den wenigen Kirchen auf dem lateinamerikanischen Kontinent, die ganz indianische Strukturen und Leiter hat. Sie ist nicht die einzige christliche Kirche unter den indigenen Völkern des Chaco, aber die, die den meisten Zulauf hat. Man kann von 10.000 – 20.000 Mitgliedern in ca. 250 Ortsgemeinden – mindestens fünf verschiedener Sprachgruppen – sprechen.

Ein indianischer Kirchenpräsident faßt es eindrücklich zusammen: Wir haben das Evangelium als eine gute Botschaft gehört. Es hat unsere Gedanken in Beschlag genommen, weil es viel von unserem Wissen und unserer Weisheit widerspiegelt. Deshalb ist es unserem Lebensgefühl stark verbunden… Ñim Qar’ot (unser Schöpfer) ist z.B. eine unserer Bezeichnungen für Gott… Die Verbreitung des Evangeliums und die Bibel haben wirklich nichts (bei uns) zerstört, deshalb ist für uns das Evangelium keine Hirnwäsche, sondern ganz im Gegenteil, eine Befreiung unseres Geistes zur Gestaltung einer eigenen Kirche, in der wir selbst Gottes Ruf vernehmen können…“

Gottesdienst: Höhepunkt des Tages

Der Gottesdienst bei den Toba (oft nicht nur an den Wochenendtagen) fängt nach Sonnenuntergang an, ist bewegt, ausdauernd: der Höhepunkt des Tages – auch wenn er im Dunkeln stattfindet. Ein gemeinsames Fest, das vom Lob Gottes gekennzeichnet ist, für den sie lange Fußwege in Kauf nehmen. Alle singen mit „Herzen, Mund und Händen“ und keiner spielt dazu alleine die Gitarre. Die Gebetszeiten der ausdrucksstarken Beter sind wie Wellenbewegungen , die sich aufbäumen und dann wieder glätten. Die Gemeinden haben meist drei Pastoren und verschiedene Leiter bitten an verschiedenen Stellen der Versammlung, einen nach dem anderen, sich mit einem eigenen Beitrag am Gottesdienst beteiligen: Es erzählen und predigen immer mehrere Männer oder auch Frauen, erzählen Erfahrungen von Gottes Hilfe, lesen Bibeltexte. Wenn nötig wird – auch mittendrin – für Kranke gebetet. Überhaupt steht die Erfahrung göttlichen Könnens und seiner Leitung an zentraler Stelle. Von Gottes „poder“ (Macht) nur zu reden, wäre zu wenig!

Die pastorale Begleitung

Die Leiter der jungen Indianerkirche erarbeiteten 1962 ein eigenes Handbuch. Dort wurde die Aufgabe der “geschwisterlichen Mitarbeiter” folgendermassen beschrieben:

1. Die “geschwisterlichen Mitarbeiter” unterstützen die örtlichen Pastoren vorwiegend in der biblischen Lehre und der Ausbreitung des Evangeliums.

2. Die “geschwisterlichen Mitarbeiter” sind stets bereit zu ermutigen und als Berater zur Verfügung zu stehen. Sie nehmen an der jährlichen Generalversammlung teil.

3. Die “geschwisterlichen Mitarbeiter” sind eingeladen mitzuarbeiten, aber nicht mitzuleiten.

4. Die “geschwisterlichen Mitarbeiter” üben keinerlei Autorität über die Ortsgemeinden aus. Diese wird ausschließlich von den örtlichen Leitern ausgeübt.

Die “geschwisterlichen Mitarbeiter” arbeiteten vor allem an der Übersetzung der Bibel mit, besuchten viele Indianergottesdienste und halfen beim Studium der Bibel mit, wo sie dazu gebeten wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren sie schon keine Berater in (Kirchen-) Rechtsangelegenheiten mehr, noch weniger “patrones”, sondern ausschließlich “geschwisterliche Mitarbeiter” und Unterstützer der Tobachristen als Gäste ihrer Kirchen.

Das Mennonitenteam heute

Seit einigen Jahren gehören auch andere als nordamerikanische Mennoniten zum “Mennonitenteam”. Es wurde für argentinische und deutsche Christen geöffnet, die sich mit der Berufung der “geschwisterlichen Mitarbeiter” und ihrer etwas “anderen” Art der Begleitung indianischer Christen und Kirchen identifizieren konnten.

Heute bezeichnen wir unseren Auftrag als “pastorale Begleitung”. Darunter verstehen wir, so verbindlich und ganzheitlich und jesushaft wie möglich an der Seite der indianischen Geschwister zu sein. Manchmal bedeutet das, uns mit ihnen gemeinsam um ihre Landrechte (Wohn- und Arbeitsrechte) zu bemühen. Andere Male kann es heißen, ihre Stimme in der “nationalen argentinischen Gesellschaft” zu sein oder einfach als ihre Freunde und evtl. Ratgeber zur Verfügung zu stehen.

Die zum Leben notwendigen Dinge betrachten wir mit den indianischen Geschwistern als geistliche Angelegenheiten. Aber gerade deswegen wollen wir unter ihnen keine “Weihnachtsmänner” sein, sondern gemeinsam mit ihnen bei Christus, der Quelle des Lebens, Hilfe und Rat suchen, wenn Not am Mann ist.

Weil Jesus unser aller guter Pastor (Hirte) ist, ist auch unsere Begleitungsaufgabe “pastoral”. Wir können deswegen keine “patrones” für die indianischen Geschwister sein, und weder uns ihrer Kirchen (un/-bewußt), noch der Projekte in ihren Gemeinschaften bemächtigen. Wir vertrauen in die Fähigkeit der indianischen Leiter und Pastoren, die von Jesus selbst angeleitet werden, das Beste für ihre Leute zu suchen und zu bewerkstelligen. Als “geschwisterliche Begleiter” ist es uns stets daran gelegen, auf Christus – und nicht auf uns – hinzuweisen.

Aufgrund der Tatsache, dass die “Iglesia Evangélica Unida” heute längst nicht mehr die einzige autochthone indianische Kirche ist, versuchen wir auch allen anderen selbstgeleiteten, selbstfinanzierten und selbständig evangelisierenden indianischen Gemeinden, Freunde und Begleiter zu sein. Außerdem pflegen wir geschwisterliche Beziehungen zu anderen Personen und Institutionen und nicht-indianischen Kirchen, die auch im Chaco sozial und missionarisch arbeiten. Mit einigen von ihnen arbeiten wir sehr eng zusammen und ergänzen uns gegenseitig. Jede(r) von ihnen hat seinen Anteil an der Sache des Reiches Gottes unter der indianischen Bevölkerung und hat etwas beizutragen, was die anderen so nicht tun (können).

In der argentinischen Gesellschaft sind wir – aus o.g. geschichtlichen Gründen – unter dem Namen “Mennonitenteam” bekannt, auch wenn nicht alle zu einer mennonitischen Kirche gehören.

Die kleine Zeitschrift “Unser Botschafter” (“Qad’aqtaxanaxanec” in der Toba-Sprache) ist ein kleiner Beitrag des Mennonitenteams zur Verständigung und zum Austausch der indianischen Kirchen untereinander. Vor 45 Jahren erschien er zum ersten Mal als pastoraler Brief, also mit der Absicht, die Pastoren der Indianerkirchen in ihrer neuen Aufgabe zu unterstützen. Als geistliche Freunde indianischer Christen versuchen wir bis heute indianische und eigene Beiträge zu veröffentlichen, die für das kommunitäre und geistliche Leben der indianischen Gemeinschaften interessant sind. Außerdem wird auf diese Weise der Gebrauch bzw. die Lektüre der indianischen Sprache und ihrer Bibelübersetzung gefördert. Aufbauend auf einer geschwisterlichen Beziehung zu den indianischen Christen veröffentlichen wir – wenn möglich aus indianischer Feder stammend – Andachten und Bibelstudien, sowie alle Art von Informationen, die für das Leben in den Gemeinden und Gemeinschaften von Interesse sind.

Kontaktadresse: Ute und Frank Paul, chacofrank@gmx.net, Tel.: + 49 6164-501214

Arbeitsbereiche von Ute und Frank Paul als Teil des internationalen Mennonitenteams im nordargentinischen Chaco:

1. Besuche bei ca 100-250 örtlichen Indianergemeinden, ihren Gottesdiensten in städtischer und ländlicher Umgebung

1. Hausbesuche bei den Pastoren und ihren Familien und anderen am Gemeinwohl interessierten Indianern (wir wollen ihre verlässlichen Freunde sein)

2. Mitarbeit im Übersetzerteam fürs Alte Testament gemeinsam mit 4 Tobas (1 Frau und 3 Männer) und einem arg. Koordinator und Computerfachmann (seit 2000)

3. Mitarbeit bei der Veröffentlichung von Texten in der Tobasprache (Traktate, Bücher..)

4. Herausgabe und Versendung einer kleinen mehrsprachigen Zeitschrift von und für indianische Christen (Auflage: 5500 Exemplare)

5. Veröffentlichung von Lebenszeugnissen, Predigten und Bibelarbeiten indianischer Autoren, die zur persönlichen Ermutigung und Horizonterweiterung sowie der Verschriftlichung ihrer Geschichte als Volk und ihrer Kirchen dienen.

6. Anregung und Durchführung von Bibelstudiengruppen in Ortsgemeinden und Mitarbeit an einer Toba-Bibelschule

7. Verkauf von Bibeln und gedrucktem biblischen Material (sowie Ton-Kassetten) für Kinder und Erwachsene

8. Mitarbeit beim interdenominationalen Treffen von Missionaren und sog. “Entwicklungshelfern”

9. Mitarbeit am “runden Tisch”, der sich mit der Sicherung der Grundrechte der Indianer in Nordargentinien befasst (vor allem Landrechte und zweisprachige Schulbildung)

10. Beratung und Unterstützung der wenigen Toba-Lehrer

11. Rechtshilfe: umfassende Unterstützung in Fällen wo Indianerrechte vom argentini-schen Staat nicht beachtet werden bzw. wo Indianer in Konflikt mit dem Gesetz geraten – vor allem um ihre Würde und Fähigkeit zur Selbstverteidigung zu stärken

12. Besuche von inhaftierten Indianern und ihren Angehörigen

13. Brückenbau zu anderen südamerikanischen indianischen Völkern und ihren Kirchen.

Unsere Berufung:

Das Mennonitenteam

ist eine Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu,

die dazu berufen wurde,

die indianischen Völker

in den nordargentinischen Provinzen Chaco und Formosa

als Schwestern und Brüder

zu begleiten.

Wir verstehen uns als Gäste unter den Indianern,

als Botschafter

von Jesus Christus

und Zeugen seines Wirkens,

die von der Hoffnung

auf die Neue Welt Gottes getragen werden.

Unsere Aufgabe:

Mit Hilfe des Geistes Gottes sind wir an der Seite der indianischen Gemeinschaften auf der Suche nach einem ganzheitlich-zukunftsträchtigen Leben.

Wir wollen sie in allem zu eigenverantwortlichem Handeln ermutigen

insbesondere indem wir sie darin unterstützen, das Besondere und Heilige ihrer indianischen Lebenskultur zu schätzen und zu stärken.

Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin,

zu einem fruchtbaren Zwiegespräch zwischen dem Wort Gottes und den Indianern und allem, was ihr Leben ausmacht, beizutragen.